Warum ist Work-Life-Balance im Handwerk so schwierig?
Work-Life-Balance im Handwerk ist so schwierig, weil Betriebsinhaber gleichzeitig Facharbeiter, Projektmanager, Buchhalter und Kundenservice sind – oft ohne ausreichend Unterstützung. Das führt dazu, dass Büroarbeit systematisch auf den Abend verschoben wird: nach Feierabend, nach dem Abendbrot, wenn alle schlafen.
Thomas M., Elektromeister aus Köln, bringt es auf den Punkt: „Tagsüber bin ich auf der Baustelle. Abends sitze ich bis 23 Uhr am Laptop. Ich frage mich manchmal, ob ich einen Betrieb führe – oder ob der Betrieb mich führt.”
Was wie ein persönliches Organisationsproblem klingt, ist in Wahrheit ein strukturelles Problem der Branche. Laut einer Untersuchung verbringen Betriebsinhaber durchschnittlich 20 % ihrer Arbeitszeit mit reiner Verwaltung – Zeit, die bei einem 10-Stunden-Tag zwei vollen Stunden entspricht. Und die fallen häufig in die Abendstunden.
Hinzu kommt: In Betrieben ohne digitale Tools verbringen Mitarbeiter im Schnitt eine Stunde täglich damit, Dokumente zu suchen. Bei einem 10-Personen-Betrieb entspricht das 50 verlorenen Arbeitsstunden pro Woche – mehr als eine Vollzeitstelle, die einfach verpufft.
Die Folge: Wer als Chef nicht delegieren kann und keine smarten Prozesse hat, trägt die Last alleine – bis der Körper streikt.

