Die bittere Realität: So sieht der Alltag in deutschen Handwerksbetrieben aus
Es ist Montagmorgen, 7:30 Uhr. Elektriker Thomas steht auf der Baustelle in München und sucht verzweifelt nach dem Stundenzettel vom Freitag. Verschwunden. Wieder einmal. Seine Kollegin hat währenddessen drei Anrufe vom Büro bekommen: “Wo ist der Rapport von letzter Woche? Der Kunde wartet auf die Abrechnung!”
Diese Szene spielt sich täglich in Tausenden deutschen Handwerksbetrieben ab. Und sie ist kein Einzelfall: Eine aktuelle Studie der Universität Göttingen von 2024 zeigt erschreckende Zahlen:
- 42% aller Handwerksbetriebe dokumentieren ihre Baustellenarbeit noch immer mit Stift und Papier
- 30% führen ihre Buchhaltung komplett analog – mit handgeschriebenen Zetteln
- Jeder zweite Betrieb verwaltet sein Lager ohne digitale Unterstützung
- Die Zeiterfassung läuft in der Mehrheit der Betriebe über Papier-Stundenzettel
Das Fatale: Die Zettelwirtschaft kostet nicht nur Nerven, sondern vor allem Zeit und Geld. Studien belegen, dass Mitarbeiter durchschnittlich eine Stunde pro Tag mit dem Suchen von Dokumenten verbringen. Bei einem 10-Personen-Betrieb sind das 50 Stunden pro Woche – mehr als eine ganze Vollzeitstelle!
“Ich habe jahrelang gedacht, das gehört einfach dazu”, erzählt Malermeister Stefan K. aus Hamburg. “Freitagabends saß ich bis 20 Uhr im Büro und habe versucht, aus unleserlichen Stundenzetteln schlau zu werden. Meine Frau hat kaum noch was von mir gesehen.”

